Pirfenidon kann IPF-Progress verlangsamen
Die orale antifibrotische Therapie mit Pirfenidon führte in zwei von drei Phase-3-Studien bei Patient*innen mit idiopathischer Lungenfibrose zu einer Verlangsamung der Progression (IPF), gemessen an der Abnahme der forcierten Vitalkapazität (FVC) oder der Vitalkapazität. Die dritte Studie erreichte diesen Endpunkt nicht und die US-amerikanische Zulassungsbehörde FDA forderte eine weitere multinationale Studie.
Die ASCEND-Studiengruppe mit Erstautor Talmadge E. King Jr. von der Universität von Kalifornien in San Francisco führte in dieser randomisierten, placebokontrollierten Doppelblind-Studie eine zentrale Diagnose, Spirometrie und Feststellung des Todes ein und schloss auch Patient*innen mit IPF ein, die ein erhöhtes Progressionsrisiko hatten. Insgesamt wurden 555 Patient*innen mit IPF im Alter zwischen 40 und 80 Jahren randomisiert. In der Interventionsgruppe erhielten die Patient*innen oral 2.403 mg Pirfenidon pro Tag, in der Kontrollgruppe Placebo, jeweils über insgesamt 52 Wochen. Primärer Endpunkt der Studie war die FVC-Veränderung oder das Eintreten des Todes bis Woche 52. Als sekundäre Endpunkte wurden die Veränderung der 6-Minuten-Gehstrecke, das progressionsfreie Überleben, Dyspnoe und Tod jeder Ursache oder aufgrund der IPF ausgewertet.
Ergebnisse
Die Auswertung ergab einen signifikanten Unterschied im primären Endpunkt zugunsten der Pirfenidon-Gruppe (p<0,001). In Woche 52 war der Anteil der Patient*innen mit einer Abnahme des FVC um geschätzt ≥10% oder dem Eintreten des Todes in der Pirfenidon-Gruppe im Vergleich zur Placebo-Gruppe relativ um 47,9% geringer (16,5% vs. 31,8%). Der Anteil derjenigen, die ohne FVC-Abfall bis Woche 52 überlebten, war in der Pirfenidon-Gruppe deutlich größer (22,8% vs. 9,7%; p<0,001), der relative Anstieg dieses Anteils lag bei 132,5%. Ein Effekt von Pirfenidon im Vergleich zu Placebo ließ sich ab der 13. Woche belegen und der Unterschied stieg über die Studiendauer weiter an. 6-Minuten-Gehstrecke und progressionsfreies Überleben verbesserten sich in der Pirfenidon- im Vergleich zur Kontrollgruppe signifikant (p=0,04 und p<0,001).
Keine signifikanten Unterschiede zwischen den Gruppen fanden die Forschenden bei der Veränderung der Dyspnoe oder der Sterberate jeder Ursache oder aufgrund der IPF über die 52 Studienwochen. Bei einer vorab geplanten gepoolten Analyse der Daten dieser Studie zusammen mit den zwei vorhergehenden multinationalen CAPACITY-Studien zeigte sich für Pirfenidon im Vergleich zu Placebo jedoch ein signifikanter Effekt auf die Sterbewahrscheinlichkeit aufgrund jeder Ursache (p=0,01) und aufgrund der IPF (p=0,006).
Unter Pirfenidon wurden häufiger gastrointestinale und hautbezogene unerwünschte Ereignisse berichtet als in der Placebogruppe. Diese führten selten zu einem Behandlungsabbruch.
Fazit:
Die dritte multinationale Phase-3-Studie bestätigte die Verlangsamung der Progression der IPF mit Pirfenidon im Vergleich zu Placebo. Lungenfunktion, Belastungstoleranz und progressionsfreies Überleben besserten sich, die unerwünschten Ereignisse bezeichnete die Studiengruppe als akzeptabel. Unklar sei, ob Pirfenidon bei stärker fortgeschrittener Erkrankung ebenfalls wirksam sei – in diese Studie wurden nur Patient*innen mit milden bis moderaten physiologischen Einschränkungen eingeschlossen.
Quelle:
Autor Studienreferat: Friederike Klein, München