Systemische Sklerose

Dermatologie

Steckbrief

Die systemische Sklerose (SSc) ist eine seltene, chronisch-entzündliche Systemerkrankung, die durch Inflammation, Vaskulopathie im Sinne einer Hyperreagibilität und zunehmender Gefäßobliteration sowie Fibrose der Haut und der inneren Organe gekennzeichnet ist. Es handelt sich um eine den Kollagenosen zugeordnete Autoimmunerkrankung bislang unvollständig verstandener Pathogenese mit Nachweis von Antikörpern gegen Zellkernbestandteile (ANA [antinukleäre Antikörper]) und von SSc-spezifischen Antikörpern. Der Krankheitsverlauf ist sehr heterogen, die Erkrankung ist mit einer hohen Morbidität und Mortalität assoziiert.

Aktuelles

  • CAR-T-Zell-Therapie könnte zukünftig bei schweren, therapierefraktären Verläufen eine neue Therapieoption bei der Systemischen Sklerose darstellen.

Synonyme

progressive systemische Sklerose; systemische Sklerodermie; Sklerodermie; Systemic Sclerosis (engl.); Scleroderma (engl.)

Keywords

Lungenfibrose; pulmonal-arterielle Hypertonie (PAH); Raynaud-Syndrom; digitale Ulzera; ICD10:M34

Definition

  • seltene, chronisch-entzündliche, systemische Autoimmunerkrankung
  • Kollagenose
  • gekennzeichnet durch Inflammation, Vaskulopathie sowie Fibrose der Haut und der inneren Organe
  • Nachweis von Antikörpern (AK) gegen Zellkernbestandteile (ANA) und von SSc- spezifischen Antikörpern

Epidemiologie

Häufigkeit

  • seltene Erkrankung
  • Prävalenz: ca. 300 Erkrankte pro 1 Mio. Erwachsene
  • Inzidenz: ca. 50 Neuerkrankungen pro 1 Mio. Erwachsene

 

Altersgipfel

  • Erstmanifestation zwischen 34 und 60 Lebensjahren
  • mittleres Erkrankungsalter: ca. 46 Jahre

 

Geschlechtsverteilung

  • Frauen sind häufiger betroffen als Männer (Verhältnis 4:1 bis 10:1).
  • Männer haben ein höheres Risiko für eine diffus-kutane Verlaufsform.

 

Prädisponierende Faktoren

  • ethnische Einflüsse: 2,5-fach höhere Inzidenz sowie erhöhte Morbidität und Mortalität bei Patienten mit afroamerikanischer Abstammung

Ätiologie und Pathogenese

Ätiologie

  • Belastung mit Umweltreizen (Lösungsmittel, Feinstaub, Mineralöle, Dieselabgase, Silikone) sind mit dem Auftreten einer SSc assoziiert.
  • Genetische Assoziationen mit HLA-Antigenen sowie das Immunsystem betreffende genetische Polymorphismen sind bekannt.
  • Es besteht eine Dysbalance funktioneller AK z.B. gegen vaskuläre Angiotensin- und Endothelinrezeptoren sowie gegen Wachstumsfaktoren und ihre Rezeptoren.

 

Pathogenese

  • komplex und bislang nur teilweise verstanden
  • Beteiligung des angeborenen (Schlüsselfunktion von Monozyten) sowie des adaptiven (T- und B-Zellen, Autoantikörperproduktion) Immunsystems
  • Inflammation, Vaskulopathie und Fibrose, vermutlich Antikörper-getriggert

Klassifikation und Risikostratifizierung

  • Die EULAR/ACR-Klassifikation der systemischen Sklerose ist in Tab. 89.1 wiedergegeben.

Tab. 89.1 EULAR/ACR-Klassifikationskriterien der systemischen Sklerose 2013.

Kategorie

Subkategorie

Punkte

Hautverdickung

(die höhere Punktzahl zählt)

der Finger beider Hände bis proximal der MCP

9

Puffy Fingers (Fingerschwellungen)

2

Sklerodaktylie (zwischen PIP und MCP)

4

Läsionen der Fingerspitzen

(die höhere Punktzahl zählt)

digitale akrale Ulzerationen

2

Pitting Scars (narbige Veränderungen der Fingerkuppen)

3

Teleangiektasien

2

pathologische Kapillarmikroskopie

2

pulmonale Organmanifestation

(max. 2 Punkte)

pulmonalarterielle Hypertonie

2

interstitielle Lungenerkrankung

2

Raynaud-Phänomen

3

SSc-assoziierte Autoantikörper

(max. 3 Punkte)

Anti-Zentromer (ACA)

3

Anti-Topoisomerase I (Scl-70)

3

Anti-RNA-Polymerase III

3

MCP: Metakarpophalangealgelenk, PIP: proximales Interphalangealgelenk, RNA: Ribonukleinsäure

SSc-Klassifizierung ≥9 Punkte möglich (Sensitivität 91%, Spezifität 92%)

Hinweis: Kriterien sind nicht anzuwenden bei SSc-imitierenden Erkrankungen und bei Patienten, bei denen die Hautsklerose die Finger ausspart.

  • Verlaufsformen:
    • limitiert-kutan (lcSSc)
      • ca. 50%
      • Hautsklerose auf das Gesicht und die Extremitäten distal der Ellenbogen und Knie beschränkt
    • diffus-kutan (dcSSc)
      • ca. 32%
      • Hautsklerose zumindest einmalig auch proximal der Ellenbogen- oder Kniegelenke mit Befall von Oberarmen, Thorax, Abdomen oder Oberschenkel
      • prognostisch ungünstig
    • systemische Sklerose sine scleroderma
      • selten, <5%

Symptomatik

  • Raynaud-Syndrom
    • häufig Erstsymptom
    • ca. 90–95% der Patienten
    • durch Kälteexposition und/oder emotionalen Stress ausgelöste, anfallsartige arterielle Durchblutungsstörung der Finger und teils der Füße
    • Tricolorephänomen (initial Weiß-, anschließend Blau-, zuletzt Rotverfärbung der Finger), häufig unvollständig
    • DD primäres und sekundäres Raynaud-Syndrom
  • Hautsklerose
    • beginnend an den Fingern, Ausbreitung nach proximal
  • Juckreiz
  • gastrointestinale Beschwerden
    • ca. 70% der Patienten
    • Refluxsymptomatik
    • Dysphagie
    • Obstipation/Diarrhö
    • Stuhlinkontinenz
    • Small Intestine Bacterial Overgrowth (SIBO) (bakterielle Überwucherung des Dünndarms)
    • gastral-antrale vaskuläre Ektasie (GAVE-Syndrom)
  • Dyspnoe, Husten
  • Schwindel, Palpitationen
  • Arthritis, Arthralgien, Morgensteifigkeit
  • Myalgien, Kontrakturen, Sehnenverkürzungen
  • Polyneuropathie
  • Gewichtsverlust
  • Fatigue
  • sexuelle Dysfunktion
  • Störungen des Geschmacks und des Riechens
  • Harninkontinenz
  • Komplikationen:
    • digitale Ulzera
      • frühes Symptom
      • Assoziation mit Teleangiektasien und pulmonal-arterieller Hypertonie (PAH)
    • PAH
      • bei ca. 10–20% der Patienten
      • kann zu jedem Zeitpunkt der Erkrankung auftreten
      • besonders bei Patienten mit spätem Erkrankungsbeginn häufig
    • renale Krise
      • maligne Hypertonie, akutes Nierenversagen und/oder thrombotische Mikroangiopathie mit Hämolyse
      • ohne Einsatz von Prednisolon >10 mg/Tag selten (<2%)
      • Auftreten i.d.R. in den ersten 5 Krankheitsjahren
      • dauerhafte Dialysepflichtigkeit in ca. 20%
    • Lungenfibrose
      • bei ca. 60% der SSc-Patienten, bei ca. 30% progredient
    • kardiale Manifestation
      • Myokarditis, Myokardfibrose, systolische und/oder diastolische Funktionsstörungen, Störungen der Reizweiterleitungen mit Herzrhythmusstörungen, Perikarderguss

Diagnostik

Diagnostisches Vorgehen

  • Initial: Spirometrie, HR-CT-Thorax, EKG, Echokardiografie, Kapillarmikroskopie; ergänzend symptom-/befundabhängig: Bronchoskopie mit bronchoalveolärer Lavage (BAL), 6-Minuten-Gehtest, Rechtsherzkatheter, Ösophago-Gastro-Duodenoskopie (ÖGD), Ösophagusmanometrie.
  • Bei Verdacht auf ein sekundäres Raynaud-Syndrom sollten ANA und Antikörper gegen extrahierbare nukleäre Antigene (ENA) oder besser SSc-spezifische Antikörper bestimmt werden (da z.B. Patienten mit RNA-Polymerase-III-Antikörpern ANA- und ENA-negativ sind).
  • Patienten mit Raynaud-Syndrom und SSc-spezifischen Antikörpern erkranken zu etwa einem Drittel im Verlauf der nächsten 10 Jahre an einer SSc.
  • Bei RNA-Polymerase-III-Antikörpern sollte ein paraneoplastisches Geschehen ausgeschlossen werden.

 

Anamnese

  • Besteht ein Raynaud-Syndrom, wenn ja, seit wann?
  • Besteht eine Verdickung der Haut und/oder ein Spannungsgefühl der Finger?
  • Sind bereits offene Stellen an den Fingern aufgetreten?
  • Bestehen Symptome wie Luftnot, Husten, Herzstolpern, Schwindel, Schluckstörungen, Refluxsymptomatik, Völlegefühl, Inkontinenz, Gelenk- oder Muskelschmerzen, Taubheitsgefühle?

 

Körperliche Untersuchung

  • internistischer Status
  • Modified Rodnan Skin Score (mRSS):
    • erfasst die Hautdicke an 17 Körperregionen
    • je Region wird eine Hautfalte gebildet, um den Schweregrad der Hautsklerose einzuschätzen (0 –normale Hautdicke, 1 – fragliche Hautverdickung, 2 – sichere Hautverdickung, Hautfalte lässt sich noch abheben, 3 – keine Hautfaltenbildung möglich)
    • Score ergibt sich aus der Summe der 17 Regionen
  • typische Untersuchungsbefunde:
    • Puffy Fingers, Sklerödem, Sklerodaktylie
    • Hautsklerose
    • Mikrostomie mit perioraler Fältelung (früher „Tabaksbeutelmund“)
    • Teleangiektasien (mit erhöhtem Risiko für digitale Ulzera oder PAH-assoziiert)
    • digitale Ulzera
    • Pitting Scars (grübchenförmige Narben der Fingerkuppen)
    • Akroosteolysen (Auflösen der peripheren Knochen mit Verkürzung der Fingerendglieder)
    • Calcinosis cutis
    • Poikilodermie, Hyper-/Hypopigmentierung, Pfeffer-Salz-Muster (Kombination aus Hyper- und Hypopigmentierung)
    • Skleroglosson (verkürztes und verdicktes Zungenbändchen)
    • Kontrakturen, Gebetszeichen (Kontrakturen der Finger)
    • Sehnenreiben
    • Sklerophonie (trockenes endinspiratorisches Knistern bei Lungenfibrose)

 

Labor

  • großes Blutbild, CRP, BSG, Leber- und Nierenwerte, Harnsäure, CK, NT-proBNP, Troponin, β2-Mikroglobulin, löslicher IL-2-Rezeptor, Urinstatus, Proteinuriediagnostik

 

Autoantikörperdiagnostik

  • Eine Übersicht über die Autoantikörperdiagnostik zeigt Tab. 89.2.
  • ANA in 95% der Fälle positiv
  • ENA sind mit klinischem Phänotyp assoziiert und haben prognostische Bedeutung, SSc-Blot ist aussagekräftiger, da seltenere AK miterfasst werden.
  • Rheumafaktor, CCP-Antikörper, ggf. ANCA
  • Funktionelle Antikörper gegen Endothelin- und Angiotensin- Rezeptoren sind mit vaskulären und fibrotischen Komplikationen und einer erhöhten Mortalität assoziiert.
Tab. 89.2 Autoantikörperdiagnostik.

Zielantigen

Häufigkeit

Assoziation

Scl-70/Topoisomerase I

15–42%

diffuse SSc, pulmonale Fibrose, kardiale Manifestation, digitale Ulzera

Zentromer (ACA, CENP-A/-B)

20–38%

limitierte SSc, PAH, digitale Ulzera, primär biliäre Cholangitis (PBC)

RNA-Polymerase I, III

5–31%

diffuse SSc, renale Krise, GAVE-Syndrom, können malignomassoziiert auftreten

U3RNP/Fibrillarin

4–10%

diffuse SSc, renale Krise

Th/To

1–13%

limitierte SSc, pulmonale Fibrose, renale Krise, Perikarditis

U1RNP

2–14%

limitierte SSc, Overlap-Syndrome, Arthritis, PAH

PM-Scl

4–11%

Overlap mit Polymyositis, limitierte SSc, pulmonale Fibrose

Ku

2–4%

limitierte SSc, Arthritis, Myositis, Gelenkkontrakturen

NOR-90

<5%

limitierte SSc, milde Organbeteiligung, gute Prognose

Ro52

15–20%

andere Autoimmunerkrankungen, pulmonale Fibrose, geringe oder fehlende Hautsklerose

PAH: pulmonal-arterielle Hypertonie, SSc: systemische Sklerose

Bildgebende Diagnostik

  • Echokardiografie: Erfassung von Zeichen einer Kardiomyopathie, einer diastolischen Dysfunktion sowie von Zeichen einer PAH (Trikuspidalinsuffizienz, sPAP ≥35mmHg, TAPSE ≤20mm, vergrößerter rechter Vorhof)
  • Röntgen-Thorax: bei lcSSc/Zentromer-Antikörpern und normaler Lungenfunktion ausreichend
  • HR-CT-Thorax: Erfassung einer Lungenfibrose und ggf. Verlauf
  • ggf. Kardio-MRT: Erfassung kardialer Manifestation
  • ggf. Röntgen der Hände und Vorfüße: bei V.a. Overlap mit rheumatoider Arthritis

 

Instrumentelle Diagnostik

  • Spirometrie inklusive Diffusionskapazität: Abnahme der Diffusionskapazität ≤80% als Ausdruck einer beginnenden Fibrose oder PAH, im Verlauf Abnahme der forcierten Vitalkapazität bei Lungenfibrose, Reduktion von FVC ≥10% und von DLCO ≥15% im Vergleich zu Vorwerten zeigt Progress an
  • 12-Kanal-EKG/Langzeit-EKG: Erfassung von Herzrhythmusstörungen, VES-Last ausschlaggebend für Prognose
  • Rechtsherzkatheter: zur Diagnostik bei V.a. PAH
  • Bronchoskopie mit BAL: Nachweis von Alveolitis, Infektion, Tumor
  • 6-Minuten-Gehtest: Erfassung der Belastbarkeit, deutliche Einschränkung bei ≤400m
  • Ösophago-Gastro-Duodenoskopie (ÖGD): Nachweis von Refluxösophagitis, Teleangiektasien, GAVE-Syndrom
  • Ösophagusmanometrie: Nachweis einer Ösophagusmotilitätsstörung
  • H2-Atemtest: Nachweis einer bakteriellen Überwucherung des Dünndarms
  • Kapillarmikroskopie: Megakapillaren, Blutungen und avaskuläre Felder sind diagnostisch wegweisend.

Differenzialdiagnosen

Tab. 89.3 Differenzialdiagnosen der systemischen Sklerose.

Differenzialdiagnose

(absteigend sortiert nach klinischer Relevanz)

Häufigkeit der Differenzialdiagnose im Hinblick auf das Krankheitsbild (häufig, gelegentlich, selten)

richtungsweisende Diagnostik/Befunde/zusätzliche Leitsymptome

Sicherung der Diagnose

diabetische Cheiropathie („Pseudosklerodermie“)

häufig

bilaterale symmetrische Verhärtung und Verdickung der Haut von Fingern und Handrücken

Verdickung des subkutanen Gewebes und der Beugesehnenscheiden in Sonografie/MRT

generalisierte Morphea („zirkumskripte Sklerodermie“)

gelegentlich

lokalisierte Fibrose, keine Raynaud-Symptomatik

Autoantikörper negativ, Kapillarmikroskopie unauffällig, Hautbiopsie

eosinophile Fasziitis

selten

Hautfibrose mit Aussparung der Finger, Furchenzeichen/Groove Sign (Einsenkung der Haut über den Venen), Bluteosinophilie

tiefe Hautbiopsie (Goldstandard), MRT

Sklerödem

selten

Hautverdickung vor allem an Nacken, Schultern und Rücken, Aussparung der Finger, mit Infekten, Diabetes und monoklonaler Gammopathie assoziiert

Diagnosestellung in Zusammenschau von Befallsmuster und Vorliegen einer assoziierten Erkrankung, ggf. Hautbiopsie in unklaren Fällen

Skleromyxödem

selten

muzinöse Ablagerungen an Gesicht, Nacken, Armen, Fingern, „Kopfsteinpflasterrelief“ der Haut, meist mit monoklonaler Gammopathie/multiplem Myelom assoziiert

Diagnosestellung in Zusammenschau von typischen papulösen Hautveränderungen, Hautbiopsie sowie der häufigen Assoziation mit monoklonaler Gammopathie, zudem Ausschluss einer Schilddrüsenfunktionsstörung

nephrogene systemische Fibrose

selten

Gesicht ausgespart, oft gelblichbräunliche Pigmentierung,

Gadolinium-induziert, meist bei chronischer Niereninsuffizienz

Hautbiopsie

Therapie

Therapeutisches Vorgehen

  • Die Behandlung der Patienten in spezialisierten Zentren des Deutschen Netzwerkes für systemische Sklerodermie (DNSS) wird empfohlen.
  • Die Therapie richtet sich nach der Krankheitsaktivität, -schwere und den Komorbiditäten (Abb. 89.1).
  • Entzündliche Manifestationen an Haut, Organen, Gelenken oder Muskeln sollen immunsuppressiv behandelt werden (Abb. 89.1).
  • Tägliche Prednisolondosen ≥10 mg/Tag sollen vermieden werden, sie erhöhen das Risiko für eine renale Krise.
  • autologe Stammzelltransplantation:
    • verbessert das Gesamtüberleben nach 5 Jahren im Vergleich zu Cyclophosphamid über 12 Monate
    • transplantationsbedingte Mortalität 6–10%
    • deutliche Verbesserung der Hautfibrose und Stabilisierung Lungenfibrose
    • sollte bei ungünstiger Prognose, jedoch nicht zu weit fortgeschrittener Erkrankung erwogen werden
    • sollte in Zentren mit Erfahrung durchgeführt werden
  • Bei schwerem Raynaud-Syndrom und digitalen Ulzera sollte eine vasoaktive Therapie mit Dihydropyridin-Calciumantagonisten, Endothelinrezeptor-Antagonisten, Iloprost i.v. und ggf. mit Phosphodiesterase-5-Inhibitoren (off-label) durchgeführt werden.
  • Bei PAH ist eine Kombinationstherapie aus Endothelinrezeptor-Antagonisten und Phosphodiesterase-5-Inhibitoren besser als die jeweilige Monotherapie.
  • Eine antifibrotische Therapie mit Nintedanib ist bei Lungenfibrose angezeigt.

Abb. 89.1 Systemische Sklerose.

Therapie.

Abkürzungen:

ACE-Hemmer: Angiotensinkonversionsenzym-Hemmer

DHP: Dihydropyridin

ERA: Endothelinrezeptor-Antagonisten

PDE-5-Inhibitoren: Phosphodiesterase-5-Inhibitoren

SIBO: Small intestinal bacterial Overgrowth

Nachsorge

  • Ein kontinuierliches Screening auf Organschäden sollte insbesondere in den ersten 5 Jahren nach Beginn des Raynaud-Syndroms durchgeführt werden, in Abhängigkeit vom Krankheitsverlauf mindestens einmal jährlich, ggf. alle 3–6 Monate:
    • mRSS
    • Untersuchung auf digitale Ulzera
    • Spirometrie inkl. Diffusionskapazität, bei Auffälligkeiten HR-CT des Thorax
    • Labor inkl. NT-proBNP, Troponin, CK
    • 6-min-Gehtest/Belastbarkeit nach NYHA-Klassifikation

Verlauf und Prognose

  • heterogene Erkrankung
  • 75% aller Organmanifestationen treten in den ersten 5 Jahren nach Beginn der Raynaud-Symptomatik auf
  • höchste krankheitsbezogene Mortalität unter den rheumatischen Erkrankungen, Gesamtmortalität im Vergleich zur Allgemeinbevölkerung 3- bis 4-fach höher
  • Haupttodesursachen: Lungenfibrose, PAH, kardiale Manifestation
  • Risiko für Lungenkarzinomen 2- bis 4-fach erhöht

Literatur

 

Herausgeber*innen, Autor*innen und Aktualisierung

Herausgeber*innen: Ralf Ludwig, Wolf-Henning Boehncke

Autor*innen: Sabrina Arnold, Gabriela Riemekasten

 

Letzte Änderung: 01.05.2025

 

eRef-Link: https://eref.thieme.de/referenz/referenz_0092